08.01.2008

Guerilla-Marketing: Auffallen für kleines Geld

Sie verfügen nur über ein kleines Budget, wünschen sich aber dennoch eine schlagkräftige Werbe­aktion? Hier einige Beispiele, wie es funktioniert.

Alle zwei Jahre steigt in Köln die Photokina – und Minox ist seit 1950 dabei. "Zuletzt nur aus Tradition", gibt Thorsten Kortemeier zu, Chef des Kameraherstellers. Der Erfolg beim Messeauftritt war allerdings in den letzten Jahren bescheiden: 2006 verirrte sich kaum noch einer der 170.000 Photokina-Besucher an den Minox-Stand. "Wir gehören zu den kleinsten Ausstellern", sagt Kortemeier. "Da geht man leicht unter."

2008 sollte alles anders werden. Der Minox-Chef ließ vier Messehostessen ausschwärmen. In Bond-Girl-Kostümen knipsten sie Messegäste hinterrücks mit der neuen digitalen Spionage-Minox. Die flache Minox zum Zusammenschieben ist als Agentenkamera bekannt. Dann steckten sie den Besuchern Zettel zu – mit dem Hinweis auf den Stand und auf eine Internetadresse, unter der sie die Bilder später herunterladen konnten.

"Das hat so viel Aufmerksamkeit gebracht, dass wir am Ende sieben Fernsehteams am Stand hatten", berichtet Kortemeier begeistert. Die neue Minox-Kamera, seit Dezember im Handel, verkauft sich bestens. Und Unternehmer Kortemeier ist sicher: Mit herkömmlichen Werbestrategien hätte er niemals so viel Inte­resse erzeugt.

Die Minox-Girls erfüllen alle Kriterien des Guerilla-Marketings: Sie waren nicht auf den ersten Blick als Werbeträger zu erkennen, sie überraschten, und die Aktion wurde gleich weitererzählt. Wie ein Virus verbreitete sich die Botschaft.

Geringer Aufwand

Der Aufwand für solche Ak­tio­nen ist überschaubar: Messe­hostessen bekommen 120 bis 150 Euro Honorar pro Tag, plus Kostüme und Requisiten, die nicht einmal mit 250 Euro für jeden Darsteller zu Buche schlagen. Außerdem die dazugehörige Webseite, die passenden Flyer, Anmeldungen und Vorbereitungen. In der Summe ist Messe-Guerilla dieser Art Experten zufolge schon für unter 5000 Euro zu haben. Dafür können Aussteller ansonsten bestenfalls ein kleines Plakat am Fußweg zwischen S-Bahnhof und Haupteingang buchen.

"Gerade Mittelständler müssen sich durch ein ungewöhnliches Marketing profilieren", betont Fred Geiger, der seit zwei Jahren Seminare zum Thema Guerilla-Marketing auf Messen veranstaltet. Geigers Klienten, Geschäftsführer und Marketingchefs aus Familienbetrieben, verfügen nicht über die Marketingbudgets, um gegen die Werbemaschinerie von Großkonzernen zu bestehen, die in Hochglanzmagazinen für ihre Stände werben und ganze Plakatwände in der Messestadt buchen.

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