Gründer und ihre Ideen
Wachsende Umsätze und Mitarbeiterzahlen zeigen: Die Feuerprobe am Markt haben diese 22 Jungunternehmer bestanden. Lesen Sie mehr über ihre Erfolgsstrategien.

Michaela Gratz hat einen mobilen Geldautomaten erfunden. Foto: Oliver Rüther für impulse
Dienstleistung
1. Bargeld auf Rädern
Michaela Gratz ist so diskret wie eine Bankerin. Das muss die 42-jährige Gründerin auch sein. Denn bei ihrem Geschäft geht es um viel Geld, um fremdes Geld. Ihr Metier: Sie verleiht an Banken mobile Geldautomaten auf Rädern. Überall dort, wo viele Menschen sind und es keine Möglichkeit gibt, sich schnell mit frischem Barem zu versorgen, schafft die Wiesbadenerin Abhilfe. Auf Volksfesten, Weihnachtsmärkten, auf Messen oder wenn eine Bank umgebaut wird.
Dorthin fährt sie ihre Anhänger, auf denen ein Geldautomat fest installiert ist. "Bargeldquelle" nennt die Ehefrau und Mutter von zwei Kindern ihr junges, lukratives Unternehmen. Für ihren Service zahlen die Geldinstitute ab 400 Euro Miete pro Tag, plus Transport- und Handlingkosten. Die Geldlogistik obliegt den Banken.
Fehlender Geldnachschub
Die Idee für ihre Firma kam Gratz 2005 auf einem Weinfest in Bingen. Dort stellten sie und ihr Ehemann fest, dass sie nicht mehr genügend Euro im Portemonnaie hatten. Also machten sie sich auf die Suche nach einem Bankomaten. Den fanden sie erst bei einer weit entfernten Bankfiliale.
Zur gleichen Zeit wollte Gratz nach siebenjähriger Kinderpause wieder in ihren Beruf als Fremdsprachensekretärin zurückkehren. Doch die Anforderungen waren rasant gestiegen: "Als ich in die Babypause ging, gab es noch kein Internet." Im veränderten Büroalltag wieder Anschluss zu finden, fiel ihr sehr schwer. Kurzentschlossen nahm sie die Suche nach einem Bankomaten zum Anlass, daraus eine Geschäftsidee für eine eigene Firma zu entwickeln: den mobilen Geldautomaten.
Konsequent machte sich Gratz an die Umsetzung. Ein Anhängerhersteller war schnell gefunden, der Geldautomaten-Produzent ebenfalls. Der hatte zuvor versucht, selbst mit einer ähnlichen Idee zu reüssieren, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Das Konzept der Gründerin überzeugte den Hersteller und führte zum Geschäftsabschluss.
Als Hauptproblem stellte sich die sichere Übertragung der Kundendaten vom Automaten an die Bank per Funk heraus. Nur so viel verrät die Gründerin: Sie wendet so sichere Übertragungstechniken an, dass kein Außenstehender an die Daten herankann. Auch andere Einwände des ersten Kunden konnte sie entkräften. So wird der Cash-Terminal permanent überwacht. Zudem wiegt er rund drei Tonnen, sodass ein Abtransport nur mit Riesenaufwand möglich wäre. Der Kunde hatte keine Bedenken und erteilte ihr den Auftrag.
Im Mai 2006 ging die Gründerin an den Start, im Herbst 2006 stand ihr erster mobiler Geldautomat auf einem Weinmarkt in Mainz. Der Service sprach sich schnell herum, denn auch der Automatenhersteller machte bei den Banken Werbung für sie. Die Zahl der Anfragen stieg rasant, viele musste sie sogar schon ausschlagen. Die Unternehmerin ließ zwei weitere Anhänger mit Automaten fertigen. Kosten: jeweils 100.000 Euro. Die finanziert sie aus Mitteln der hessischen Wirtschaftsförderung.
Rund um die Uhr im Dienst am Kunden
Antrieb war für die Jungunternehmerin, "eigene Ideen umzusetzen, selbständig zu entscheiden, zu organisieren, einen facettenreichen Beruf zu haben", wie sie sagt. Aber auch rund um die Uhr den Kunden zur Verfügung zu stehen - und einen bislang einmaligen Service zu bieten. 2006 machte die Bargeldquelle 50.000 Euro Umsatz, 2007 das Doppelte. In diesem Jahr will Gratz 140.000 Euro Umsatz erzielen. Ihre mobilen Geldversorger sind ausgebucht, Anfragen für 2009 liegen vor. Hilfe bekommt sie von freien Mitarbeitern. Ob sie sich noch mal selbständig machen würde? "Auf jeden Fall!"
www.bargeldquelle.de
Startkapital: 150.000 Euro
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