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08.06.2011
von: Susanne Widrat

"Offenheit und Transparenz sind wichtig"

Wie viel Bank braucht eine Firma? Und welches Kreditinstitut ist das richtige? Dr. Volkhard Emmrich (Foto), Geschäftsführer Restructuring & Finance bei der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner GmbH, gibt Tipps zur Auswahl und zum Umgang mit dem Finanzierungspartner.

© Wieselhuber & Partner
© Wieselhuber & Partner

Herr Dr. Emmrich, was sind die wichtigsten Kriterien, nach denen Gründer und Unternehmer sich ihre Bank aussuchen sollten?

Zunächst einmal müssen sie überlegen, was genau sie finanzieren wollen. Einige Investments wie zum Beispiel das Firmenauto oder der –PC lassen sich besser leasen. Zum Aufbau des Warenlagers benötigt man dagegen eher einen kurzfristigen Kredit. Außerdem sollte man auch einige Jahre vorausschauen: Wer beispielsweise mittel- oder langfristig international expandieren will, sollte besser gleich ein Institut wählen, mit dem er auch im Ausland zusammenarbeiten kann.

Genügt es, auf eine einzige Bank zu setzen?

Nein, davon rate ich ab. Damit begeben sich Unternehmer in eine zu große Abhängigkeit. Andererseits sollten sie aber auch nicht zu viele Finanzierungspartner haben - da verliert man schnell den Überblick. Zudem wird es sehr schwer, bei entscheidenden Finanzierungsrunden oder sogar in Krisensituationen die Interessen aller Beteiligten auf eine Linie zu bringen. Zwei oder drei Bankverbindungen genügen völlig - am besten kombiniert man eine Regionalbank wie die Sparkasse oder Volks- und Raiffeisenbank mit einer bundesweit tätigen Großbank und einer Landesbank.

Wie sollten Unternehmer vorgehen, um eine solide Vertrauensbasis für die Zukunft aufzubauen?

Offenheit und Transparenz ist besonders wichtig. Banken wollen regelmäßig über die aktuelle Geschäftslage informiert werden - in guten und in schlechten Zeiten. Und das betrifft nicht nur den Zahlenteil. Oft lohnt es sich für den Unternehmer, mit seinem Banker über neue Strategien oder Märkte zu sprechen. Eventuell ergibt sich daraus der eine oder andere lukrative Hinweis oder ein viel versprechender Kontakt für ihn. Ein weiterer Grund übrigens, weshalb sie ihren Banker auch ruhig mal aufsuchen sollten, wenn gerade alles läuft.



Welche typischen Fehler unterlaufen Firmenchefs bei der Kommunikation mit der Bank?

Häufig kommt es vor, dass die Bank mit unterschiedlichen Zahlen zum selben Ereignis versorgt wird. Wer zu Beginn des neuen Jahres für das vergangene Quartal ein Plus ankündigt und Monate später dann doch ein großes Umsatzminus zugeben muss, macht sich unglaubwürdig. Zudem zeigt er, dass er sein Controlling nicht im Griff hat. Unternehmer sollten also lieber vorsichtige Prognosen und Einschätzungen abgeben. Und wenn es tatsächlich nicht so gut läuft, sollten Firmenchefs möglichst bald einen Termin mit der Bank vereinbaren und dort ihre Strategie zur Lösung des aktuellen Problems vorstellen. Ein weiterer Fehler, der allerdings von beiden Seiten begangen wird: Unklarheiten oder unverständliche Aussagen werden nicht hinterfragt, sondern vielmehr totgeschwiegen.

Wann sollten Unternehmer die Verbindung zu einem Kreditinstitut abbrechen?

Diese Entscheidung sollte nicht übereilt gefällt werden, sie ist nämlich mit einem enormen Aufwand verbunden. Aber manchmal ist ein Bankwechsel nicht zu vermeiden. Zum Beispiel, wenn die Vertrauensbasis zwischen dem Unternehmer und dem zuständigen Sachbearbeiter nicht mehr stimmt. Oder wenn das Leistungsspektrum des Instituts nicht mehr zur eigenen Geschäftsstrategie passt. Generell gilt: Kündigen Sie ein Konto erst, wenn Sie eine neue Bankverbindung unterschrieben haben.

© 2010 impulse

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