03.02.2010
von: Susanne Widrat

Die Familie als günstige Alternative

Die Wirtschaftskrise hat die Finanzierungssituation für Unternehmen in den letzten Monaten eindeutig erschwert. Vor allem junge Firmenchefs, ohnehin knapp mit Eigenkapital und banküblichen Sicherheiten ausgestattet, bekommen die strikteren Vorgaben zur Kreditvergabe zu spüren. Eine Umfrage unter insgesamt 65 Industrie- und Handelskammern verdeutlicht, an welchen Stellen es besonders knapp wird und welche Alternativen Start-ups bevorzugen.

Foto: Getty Images
Foto: Getty Images

Der klassische Bankkredit ist nach wie vor Finanzierungsquelle Nummer eins für deutsche Gründer: Zwei von drei angehenden Firmenchefs (69 Prozent) wenden sich mit ihrem Kapitalbedarf zunächst an die Kreditinstitute.

Dabei stoßen sie gleich auf eine große Hürde: die geforderten Sicherheiten. 77 Prozent der Gründer können die Anforderungen - insbesondere der Banken - in diesem Punkt nicht oder nur schwer erfüllen. Dies gilt vor allem für jene potenziellen Chefs, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen. Drei Viertel der Start-ups haben zudem Probleme damit, den von den Banken geforderten Eigenkapitalanteil aufzubringen. Fast jeder Vierte scheitert zudem daran, dass er zu lange auf die Bewilligung seines Kreditantrags warten muss und zwölf Prozent sind mit der Höhe der geforderten Zinsen nicht einverstanden.

Angesichts dieser Hürden wenden sich angehende Unternehmer in Finanzierungsfragen immer häufiger auch an Familienmitglieder oder Freunde: 42 Prozent der befragten Jungunternehmer finanzieren über den so genannten FFF (Familiy, Friends an Fools) -Kreis. Die IHK-Experten rechnen damit, dass sich das Engagement dieser Kapitalgeber weiter ausweiten wird, sollte die Kreditklemme für Start-ups nicht schnell aufgelöst werden. Damit würden die deutschen Gründer zum Beispiel dem Vorbild ihrer britischen Kollegen folgen - in Großbritannien ist es üblich, sich im Familien- und Bekanntenkreis Geld zu pumpen.

An private oder professionelle Investoren wie etwa Business-Angels oder Beteiligungsgesellschaften wagen sich noch immer nur wenige Gründer heran. Lediglich 18 Prozent beziehungsweise zwei Prozent der neuen Selbstständigen glauben, dass diese Finanzierungsvariante für sie in Frage kommt. Die Konsequenz: Vor allem innovative, technologieorientierte Start-ups mit höherem Kapitalbedarf haben hier zu Lande Probleme, Geld zu bekommen.

© 2010 impulse

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