Weiberwirtschaft
Und es gibt sie doch - Gründerinnen, die zielstrebig jede Hürde nehmen, sich auch auf schwierigen Märkten durchsetzen und innovative Geschäftsideen zum Erfolg führen können.

Zielstrebig setzte Simone Gögelein ihre Leidenschaft für Taschen und Leder in ein erfolgreiches Unternehmen um.
Foto: Valery Kloubert
Simone Gögelein ist von Natur aus neugierig und hat immer auf ihr Gespür vertraut. So folgte für die 30-Jährige nach Ausbildungen in Sachen Schauspieltherapie und Fußreflexzonenmassage eine Schuhmacherlehre. Ihre endgültige Bestimmung fand sie jedoch erst durch ein Praktikum bei einem Taschenmacher in Berlin: das Material, die Arbeit, das Produkt - perfekt. "Ich wusste plötzlich, dass ich Taschen entwerfen und herstellen wollte - und das ging nur in der eigenen Firma." Ein Ziel, das sie von da an hartnäckig verfolgte.
Frauen, die wie Gögelein den Schritt in die Selbständigkeit wagen, sind hier zu Lande noch immer eine Minderheit. Dabei gibt es keinen Grund für sie, das unternehmerische Risiko zu scheuen. "Frauen sind oft zielstrebiger als Männer", sagt Friederike Welter, Professorin und Gründungsexpertin am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Zudem versuchen sie sich meist in den schwierigeren Branchen. Und letztlich sind Frauen als Gründer - entgegen der landläufigen Meinung - genauso erfolgreich wie Männer.
Zielstrebigkeit zeichnet zum Beispiel den Charakter von Unternehmerin Gögelein aus. Die Kölnerin scheute zwei Jahre lang keine Mittel und Wege, um den Traum von der eigenen Firma - die Gö Ledermanufaktur - zu verwirklichen. Sie besuchte eine Gerberei und hospitierte bei einem erfahrenen Sattler in Essen, welcher der jungen Frau gerne alle Tricks seiner 45 Berufsjahre beibrachte.
"Ich habe den Fachleuten ein Loch in den Bauch gefragt. Dass ich eine Frau bin, war da eher kein Nachteil", kokettiert sie. Parallel suchte Gögelein bei Polsterern und Schuhmachern nach ausrangierten Stanzeisen und Nähkloben für ihre geplante Low-Budget-Gründung. Bis sie eines Tages bei einem Polsterer in der Kölner Südstadt klingelte. Nein, eine Nähmaschine habe er nicht, aber sein Ladenlokal wolle er aufgeben.
Beharrlichkeit siegt
Gögelein wusste: Das war ihre Chance. An einen eigenen Laden hatte sie zwar gar nicht zu denken gewagt. "Aber der Preis war einfach unschlagbar günstig." Und dann die Lage: direkt gegenüber einer der Kölner In-Kneipen. "Da sitzt abends genau meine Kundschaft - als Werbung reicht das Schaufenster", erklärt sie.
Die ersten Hürden waren genommen, vor dem Start aber wollte sich Gögelein nun noch den fachlichen Feinschliff holen. Ohne ein Wort Italienisch zu können, meldete sie sich bei einer renommierten Taschenschule in Florenz für einen dreimonatigen Abendkurs an. "In meiner Klasse waren viele Leute, die sich fit machten, um für Prada und Gucci exklusive Prototypen zu nähen."
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