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30.05.2011
von: Ulf J. Froitzheim und Claus G. Schmalholz

Zwang zur Meisterschaft?

Einen Handwerksbetrieb können Gründer inzwischen oft auch ohne Meisterbrief eröffnen. Im Jahr 2004 fiel der Meisterzwang für 53 von 94 zuvor geschützten Berufen.

© Getty Images
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Bevor Stefan Böhm die elterliche Schlosserei übernehmen konnte, hieß es für den studierten Betriebswirt: jahrelang büffeln. Zuerst ließ sich der Akademiker in einem anderen Betrieb zum Metallbauer ausbilden, so heißt das Schlosserhandwerk inzwischen offiziell. Nach der Gesellenprüfung fing er dann als Assistent beim Vater an - und legte nebenher die Meisterprüfung ab. Der Metallbau zählt bis heute zu den 41 Kernhandwerksberufen, in denen der Chef Meister sein muss - genau wie zum Beispiel bei Tischlereibetrieben, Malern, Bäckern und bei Friseuren.



Umwege für Kerngewerke

Alternativ hätte Schlosser Böhm sechs Jahre warten können: Mit so viel Berufserfahrung - vier davon in leitender Stellung - hätte die Kammer ihm vermutlich als "qualifiziertem Gesellen" ebenfalls den Weg in die Selbstständigkeit geöffnet. Weitere Möglichkeit: Böhm hätte einen anderen Meister zum Technischen Betriebsleiter bestellt. Das dürfen Chefs ohne Meisterbrief inzwischen in fast allen Handwerksberufen.

Sabine Hesse, Geschäftsführerin von Hessedruck, hat eine Ausbildung zur Schriftsetzerin absolviert, danach studierte sie in Wuppertal Kommunikationstechnologie Druck. Der Uniabschluss wurde von der Handwerkskammer als Alternative zu einer Meisterprüfung anerkannt. Auf diesem Weg können Hochschulabsolventen, im Betrieb ausgebildete Ingenieure und staatlich geprüfte Techniker sich inzwischen in fast allen 41 Kerngewerken um den Meisterbrief bewerben - oft mit Erfolg.



Zulassungsfreie Berufe

Unternehmerin Sabine Hesse hätte den Meisterbrief eigentlich gar nicht mehr gebraucht, Druckereien wurden 2004 vom Meisterzwang entbunden. Zu den 53 zulassungsfreien Berufen zählen auch Uhrmacher, Schuhmacher und Gebäudereiniger.

Hesse ist der Brief trotzdem wichtig: Erstens dient er als Qualitätsausweis gegenüber Kunden, die Produkte aus Meisterhand besonders schätzen. Zweitens will sie in ihrem Betrieb selbst junge Drucker, Schriftsetzer und Buchbinder ausbilden. Dafür muss man auch in den zulassungsfreien Berufen Meister sein.

Handwerksähnliche Berufe

"Bestatter - vom Handwerk geprüft." Stolz führt Andreas Maurer dieses Markenzeichen seines Berufsverbands im Logo der Firma. Ein freiwilliges Zeichen - denn einen Zwang zu irgendeiner Standesprüfung gibt es für Bestatter nicht mehr.

Praktisch jeder Unternehmer kann sich einen entsprechenden Gewerbeschein besorgen und sich Bestatter nennen. Auch Maurer, der in einer Schreinerei und Zimmerei gelernt hat, ist nur geprüfter Bestatter, kein Bestattermeister. Sein Beruf hat sich in den letzten Jahren zunehmend von einem Handwerk zu einer Dienstleistung gewandelt. Zu den 57 handwerksähnlichen Berufen, die es heute gibt, gehören auch Bodenleger, Rohrreiniger und Änderungsschneider.

Alle Berufe mit Meisterzwang hat das Unternehmermagazin impulse für Sie in einer Liste zusammengestellt.

© 2010 impulse

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