01.06.2011
von: Nicola Schuldt-Baumgart

Wie Firmen mit kleinen Tricks liquide bleiben

Viele Unternehmer stehen mit dem Rücken zur Wand: Die Mittel werden knapp, die Banken mauern. Also wird jeder Stein umgedreht auf der Suche nach stillen Liquiditätsreserven.

Für viele Betriebe der Metallindustrie kommt es im Moment ziemlich dick: Aufträge brechen reihenweise weg. Die Warenlager sind prall gefüllt und müssen wegen des stark gefallenen Stahlpreises abgeschrieben werden. Die Zahlungsmoral der Kunden sinkt, während Lieferanten auf sofortige Bezahlung pochen.

"Unsere mittelständischen Unternehmen sind in der Verteidigungsposition", bringt Ulrich Galladé, Präsident des WSM Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung, die Situation in der Branche auf den Punkt. Auf rund 10 Milliarden Euro schätzt Galladé den kurzfristigen Finanzierungsbedarf seiner Verbandsmitglieder.

Über ein Drittel der zumeist mittelständischen Betriebe würden derzeit mit ihren Banken über neue Kredite verhandeln - mit mäßigem Erfolg. Das gestiegene Risikobewusstsein der Banken bekommen auch die Metallunternehmen zu spüren.

Schlechte Eigenkapitalquote drückt Rating

Bei vielen Unternehmen haben sich in den vergangenen Monaten die üblichen Kennzahlen für die Bonitätsprüfung verschlechtert - allen voran die Eigenkapitalquote. Damit fällt auch ihr Rating heute deutlich schlechter aus als noch vor einem Jahr, sodass wiederum einige Unternehmen gar kein frisches Geld mehr bekommen, andere höhere Zinsen zahlen müssen, und wieder andere mit schärferen vertraglichen Verpflichtungen arbeiten müssen.



In ihrer Not lösen viele Unternehmen ihr Liquiditätsproblem kurzfristig und ohne Hilfe der Bank: Sie handeln mit ihren Lieferanten längere Zahlungsziele aus und verkürzen die Zahlungsziele ihrer Kunden. "Das mag im Einzelfall entlastend wirken, kann aber negative Folgen haben, etwa wenn plötzlich ein wichtiger Zulieferer ausfällt, weil ihm die finanziellen Mittel fehlen", warnt Peter Wiegand von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Das "Sale-and-lease-back-Verfahren"

Langfristig ist das aber keine Lösung. Dafür ist solche Art Liquiditätsplanung zu unsicher und vor allem zu intransparent. Beliebter sind daher Finanzierungsverfahren, die die Liquidität verbessern. "Mit Sale-and-lease-back-Verfahren können Firmen stille Reserven heben, die etwa im mobilen Anlagevermögen ihres Unternehmens schlummern", sagt Carl von der Goltz, Geschäftsführer des Hamburger Sale-and-lease-back-Anbieters Maturus Finance.



Unterkapitalisiert Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist ein Drittel des Mittelstands mit einer Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent deutlich unterkapitalisiert. Mit fatalen Folgen: Nur wer eine solide Eigenkapitalbasis vorweist, kommt derzeit an frisches Geld.

Dieses Finanzierungsverfahren ist eine Sonderform des Leasings, bei der ein Gegenstand oder eine Immobilie an eine Leasinggesellschaft verkauft und zur weiteren Nutzung wieder zurückgeleast wird. "Über den Liquiditätszufluss könnten Unternehmen in der Regel auch ihr Rating verbessern und sich wieder konventionelle Finanzierungsquellen erschließen", sagt von der Goltz.

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© 2009 ftd

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