20.03.2007
von: Jochen von Plüskow

Sicher wachsen

Nur jedes zweite Unternehmen übersteht die ersten fünf Jahre nach der Gründung. Zu viele Stolpersteine lauern auf den Jungunternehmer. Wie Sie die größten Hindernisse und Rückschläge meistern. Und Umsatz und Ertrag verbessern.

Die "Challenger"-PC-Terminals von Fank Kellershohn, 37, gelten international als Verkaufsrenner.
Die "Challenger"-PC-Terminals von Fank Kellershohn, 37, gelten international als Verkaufsrenner.
Foto: Valéry Kloubert

Frank Kellershohn liebt hohe Geschwindigkeiten. Noch vor ein paar Jahren sammelte der Elektroniker Erfolge als Motorrad- und Radrennfahrer. Heute führt er mit der Gecma Components GmbH ein Unternehmen, das mit atemberaubendem Tempo wächst. Seine Challenger-PC-Terminals, Bedien- und Visualisierungsstationen für Produktionsanlagen, genießen weltweit in der Arzneimittelfertigung, der Chemie sowie auf Öl- und Gas-Plattformen einen hervorragenden Ruf.



Allerdings tauchten auf seinem Weg nach oben auch unvorhergesehene Hindernisse auf. So erinnert sich Kellershohn vor allem an seine Flops bei der Auswahl von leitenden Mitarbeitern, als es galt, eine Hierarchie aufzubauen und dem Unternehmen die notwendige Struktur für weitere Expansion zu geben. Der Gecma-Chef: "Ich musste einige Manager schon nach kurzer Zeit entlassen, weil sie sich nicht hundertprozentig engagiert haben." Selbst das hohe Gehalt konnte nicht motivieren. Konsequenz: Kellershohn lockt jetzt qualifizierte Mitarbeiter vor allem mit beruflichen Perspektiven.



Während der Kerpener rechtzeitig Maßnahmen ergriffen hat, ergeben sich andere tatenlos in ihr Schicksal. Die Folge: Insolvenz, Pleite, wirtschaftlicher Ruin. Dies dokumentiert die aktuelle Insolvenzstatistik der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Danach mussten im Jahr 2006 31.300 Unternehmen Insolvenz anmelden. Besonders junge Firmen geraten in ernsthafte Schwierigkeiten, die später oft zum Zusammenbruch führen. Und bei der Analyse der Gründe erweist sich längst nicht immer eine falsch gewählte Geschäftsidee als Hauptursache für das Scheitern.

Gründe für den Absturz

Eine Studie der KfW Mittelstandsbank aus dem Jahr 2003 nennt die tatsächlichen Ursachen für wirtschaftliche Schieflagen aus Sicht von 200 betroffenen Unternehmen und rund 240 Beratern. Danach unterscheiden sich die Einschätzungen der Krisenursachen allerdings deutlich. So zeigen Firmenchefs oft wenig Bereitschaft, Management- und planerische Mängel als Ursache einzugestehen.

"Ein häufig verhängnisvoller Fehler", urteilen die Consultants. Sie entdecken bei ihrer Arbeit in krisengebeutelten Betrieben gravierende Unzulänglichkeiten insbesondere bei der strategischen Planung. Außerdem bemängeln die Sanierungshelfer, wie lückenhaft die Betroffenen ihr Wettbewerbsumfeld beobachten. Fehlende kaufmännische Kenntnisse sowie die Tendenz, betriebswirtschaftliche Verantwortung auf den Steuerberater zu verlagern, gelten bei den Experten ebenfalls als häufiger Krisenherd.

Nicht zuletzt führt die häufig viel zu knappe Ausstattung mit Eigenkapital viele kleine Unternehmen geradewegs in den Abgrund. Eine Eigenkapitalquote, also das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital, von 20 Prozent gilt in der Praxis als gerade noch akzeptabel. Die Realität sieht allerdings bedeutend schlimmer aus: Nach einer Erhebung von Creditreform sind heute knapp 30 Prozent der Mittelständler mit einer Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent unterkapitalisiert und befinden sich damit in ernsthaften Schwierigkeiten.

Peter Krönes gehört nicht zum Kreis der unmittelbar Bedrohten. Seit 1996 vertreibt der ehemalige Geschäftsführer eines großen Mineral- und Erfrischungsgetränkeproduzenten mit stetig wachsendem Erfolg sein selbst entwickeltes "Eifeler Landbier". Das notwendige Kapital für den Start in die Selbständigkeit verdiente er sich als freier Berater für Unternehmen seiner früheren Branche.

Daher kannte Krönes auch die größten Fallen, etwa schlechte Zahlungsmoral der Gastwirte oder saisonale Umsatzschwankungen. Damit konnte er rechtzeitig die Weichen auf ungehindertes Wachstum stellen. Eine wichtige Maßnahme, um ständige Liquidität zu schaffen: die Gründung einer Betreibergesellschaft, an der Krönes und ein Getränkehändler Beteiligungen halten. Dort kaufen der Bierexperte und sein Partner die Brauspezialität ein. Vorteil: "Müssen wir zum Beispiel neues Leergut anschaffen, bezahlen wir dies problemlos aus der Gesellschaftskasse."

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